Gewissensentscheidungen bei Politikern
Die entwaffnende Offenheit, mit der unser Bundesminister für Wirtschaft und Technologie zugab, keine Ahnung von modernen Techiken zu haben und darüber auch noch froh war ist bereits fast legendär.
Nein?
„Das Handy zu bedienen ist schon viel“, sagte der Minister zu Spiegel Online. „Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.”
(Handelsblatt: Generation Web 0.0)
Im aktuellen Magazin der Süddeutschen verrät jetzt SPD-Mann Marco Bülow, was Bundestagsmitglieder wirklich zu sagen haben: nämlich fast nichts.
Von uns Abgeordneten wird erwartet, dass wir den Kurs der Regierung unterstützen, auch wenn wir persönlich anderer Meinung sind. Was soll ich also tun?
Ich bin seit fünf Jahren im Bundestag. Ich halte mich nicht für einen notorischen Abweichler oder Revoluzzer, doch die politische Linie der SPD hat in den vergangenen Jahren häufiger meinen Überzeugungen widersprochen. In der Fraktion habe ich mehrfach gegen die Mehrheit gestimmt oder mich enthalten – und das wird gar nicht gern gesehen.
(Süddeutsche Zeitung Magazin: Düstere Aussichten)
Daraus ergibt sich natürlich eine tragische Konsequenz: Man braucht nicht unbedingt Ahnung zu haben, um einen hohen Posten zu bekleiden und wenn man Ahnung aber keinen Posten hat wird man nicht gehört.
Ein beunruhigendes Konstrukt.



